Ratgeber

Die persönliche Trauerrede

Was hineingehört, welcher Aufbau trägt, und wo die Rede in der Feier ihren Platz hat

Was eine Trauerrede persönlich macht

Persönlich wird eine Trauerrede nicht durch große Worte, sondern durch konkrete. Vier Teile tragen sie: die Begrüßung, das Lebensbild, zwei bis drei erzählte Erinnerungen und die Abschiedsworte. Zehn bis fünfzehn Minuten sind das richtige Maß. Der Prüfstein ist einfach: erkennen die Anwesenden den Menschen wieder, den sie gekannt haben?

Der Unterschied zwischen einer Rede, die trägt, und einer, die an den Anwesenden vorbeigeht, liegt fast immer an derselben Stelle. Die eine sagt, der Verstorbene sei ein herzlicher Mensch gewesen. Die andere erzählt, dass in seiner Werkstatt für jeden ein Sessel frei war und der Kaffee immer schon aufgesetzt war, wenn jemand kam. Beide Sätze meinen dasselbe. Nur einer bleibt.

Diese Seite beschreibt, wie eine solche Rede entsteht, für alle, die vor der Aufgabe stehen: als Angehörige, die selbst sprechen wollen, oder als Familie, die das Material für einen Redner zusammenträgt. Die Reihenfolge unten ist die, die sich bei Abschiedsfeiern in Oberösterreich als die verlässlichste erwiesen hat.

Was in eine Trauerrede hineingehört

Eine Trauerrede ist kein Lebenslauf und keine Predigt. Sie hat vier Teile, und jeder hat eine andere Aufgabe im Raum.

Teil Was darin steht Anteil
Begrüßung Der Anlass, benannt ohne Umschreibung, und der Name. Wer hier ausweicht, nimmt dem Rest die Ehrlichkeit. Zwei bis drei Sätze genügen. knapp
Lebensbild Die Stationen: Herkunft, Arbeit, Familie, das, was jemand gerne getan hat. Nicht jede Jahreszahl, sondern die Linie, die erkennbar macht, wie dieses Leben verlaufen ist. etwa die Hälfte
Erinnerungen Zwei oder drei erzählte Szenen, jede mit Ort, Beteiligten und einem Detail. Hier darf gelacht werden, wenn die Szene komisch war. Das ist keine Pietätlosigkeit, das ist Erinnerung. der stärkste Teil
Abschiedsworte Was bleibt, und was der Familie mitgegeben wird. Ein Zitat oder eine Liedzeile trägt an dieser Stelle gut, weil danach kein weiterer Satz mehr nötig ist. kurz und fest

Was in keinen der vier Teile gehört: eine Aufzählung aller Verwandtschaftsverhältnisse, eine Krankengeschichte in Einzelheiten, und Sätze über den Tod im Allgemeinen. Die Anwesenden sind wegen eines Menschen gekommen, nicht wegen der Sterblichkeit.

Wie das Material zusammenkommt

Der schwierigste Teil ist nicht das Formulieren, sondern das Sammeln. In den Tagen nach einem Todesfall fällt es kaum jemandem ein, was erzählenswert wäre. Deshalb hilft es, nicht nach Erinnerungen zu suchen, sondern konkrete Fragen zu beantworten. Diese sechs bringen in der Praxis fast immer mehr, als am Ende in die Rede passt.

Nützlich ist, diese Fragen getrennt an mehrere Angehörige zu geben und die Antworten erst danach zusammenzulegen. Geschwister erinnern anders als Kinder, und Kolleginnen erinnern wieder anders. Aus drei Blickwinkeln entsteht ein Bild, aus einem entsteht ein Ausschnitt.

Wo die Rede in der Feier steht

Die Rede steht nicht überall gleich. Der Rahmen der Feier gibt vor, wie viel Platz sie hat und wer sie hält.

Form Wo die Rede ihren Platz hat Dauer der Feier
Weltliche Abschiedsfeier Die Rede ist die Mitte der Feier und ihr längster zusammenhängender Teil. Davor und danach steht Musik, am Schluss folgt der Gang zum Grab. Reihenfolge und Länge bestimmt die Familie. 30 bis 45 Minuten, die Rede darin 10 bis 15
Kirchliche Trauerfeier Die Liturgie trägt den Ablauf, die persönlichen Worte kommen zusätzlich dazu: meist nach dem Evangelium oder am Ende, abgestimmt mit der Pfarre. Der Rahmen ist dann kürzer, oft fünf bis acht Minuten. nach liturgischer Ordnung
Urnenbeisetzung und Gedenkfeier Im engsten Kreis, oder Wochen später zum Gedenken. Die Rede wird kürzer und dafür persönlicher, weil alle Anwesenden den Menschen gut gekannt haben. kurz, oft unter 20 Minuten

Welche Lieder an welche Stelle passen und wie viele es je Form braucht, steht im Ratgeber zu den Liedern für die Trauerfeier. Rede und Musik werden am besten gemeinsam geplant: ein Stück nach den Abschiedsworten gibt dem Raum die Zeit, die eine Rede hinterlässt.

Wer die Rede hält

Drei Formen kommen vor, und keine ist der anderen überlegen. Sie unterscheiden sich darin, wie viel an einem einzelnen Tag von einer einzelnen Person hängt.

Spricht ein Angehöriger selbst, hat das eine Nähe, die niemand von außen herstellen kann. Der Preis dafür ist ein Risiko: die Stimme geht an diesem Tag nicht immer mit. Wer sich dafür entscheidet, sollte den Text ausgedruckt in großer Schrift dabeihaben und vorher jemanden bestimmen, der weiterliest, falls es nicht geht. Das ist kein Misstrauen gegen die eigene Fassung, es nimmt bloß den Druck weg.

Ein freier Redner trägt die Rede verlässlich durch und hält den Ablauf zusammen, auch wenn es im Raum schwer wird. Was er nicht mitbringt, ist die eigene Erinnerung. Deshalb hängt hier alles am Vorgespräch, und ein gutes Vorgespräch dauert länger, als die meisten erwarten.

Die geteilte Form ist in der Praxis die verlässlichste. Der Redner trägt Begrüßung, Lebensbild und Abschiedsworte, und ein Angehöriger sagt an einer festgelegten Stelle zwei oder drei eigene Sätze. So steht die persönliche Stimme im Raum, ohne dass die ganze Feier an ihr hängt. Wie ein solches Vorgespräch bei uns abläuft und was dabei besprochen wird, steht auf der Seite zu den Trauerreden.

Was eine Rede schwer macht

Vier Klippen tauchen immer wieder auf. Sie sind alle lösbar, aber nicht auf dem Weg, der zuerst naheliegt.

Wenn die Zeit knapp ist

Zwischen einem Todesfall und der Feier liegen oft nur wenige Tage, und in diesen Tagen ist auch alles andere zu erledigen. Für diesen Fall die verkürzte Reihenfolge: erst die sechs Fragen an zwei oder drei Angehörige geben, dann aus den Antworten die drei stärksten Sätze markieren, und die Rede um diese drei bauen. Ein Lebensbild in Stichworten, drei Erinnerungen, ein Schlusssatz. Das trägt.

Was in dieser Lage nicht funktioniert, ist der Versuch, vollständig zu werden. Eine Rede, die alle Stationen nennt und dabei keine Szene erzählt, ist am Ende länger und sagt weniger. Und ein Text, der am Vorabend noch dreimal umgeschrieben wurde, liest sich am nächsten Tag schwerer vor als eine einfache Fassung, die seit zwei Tagen steht.

Ein letzter praktischer Punkt, der oft vergessen wird: die Rede wird laut gelesen, nicht still. Ein Satz, der auf dem Papier gut aussieht und beim Vorlesen die Luft ausgehen lässt, wird geteilt. Wer den Text einmal laut durchgeht, findet diese Stellen in wenigen Minuten.

Häufige Fragen zur Trauerrede

Was gehört in eine persönliche Trauerrede?

Vier Teile tragen eine Trauerrede: die Begrüßung, die den Anlass benennt, das Lebensbild mit den Stationen und dem, was den Menschen ausgemacht hat, zwei bis drei erzählte Erinnerungen, und die Abschiedsworte am Schluss. Das Lebensbild ist der längste Teil. Entscheidend ist nicht die Vollständigkeit einer Biografie, sondern dass die Anwesenden den Menschen wiedererkennen, den sie gekannt haben.

Wie lang soll eine Trauerrede sein?

Zehn bis fünfzehn Minuten, das sind etwa 1.300 bis 2.000 gesprochene Wörter. Eine weltliche Abschiedsfeier dauert insgesamt 30 bis 45 Minuten, die Rede ist darin der längste zusammenhängende Teil. Kürzer wirkt selten zu kurz, zu lang dagegen fast immer: nach einer Viertelstunde hält kaum jemand die Aufmerksamkeit, den eine Trauerrede verlangt.

Wer hält die Trauerrede bei einer weltlichen Feier?

Entweder ein Angehöriger, ein freier Redner, oder beide im Wechsel. Die geteilte Form ist in der Praxis die verlässlichste: der Redner trägt die Rede, ein Angehöriger sagt am Ende zwei oder drei eigene Sätze. Wer selbst sprechen möchte, sollte vorher jemanden bestimmen, der übernimmt, falls die Stimme im Moment nicht mitgeht.